Zurück in den Weltcup

Donnerstag, 12. Februar 2026

«Bist du zufrieden, Sandro?»

Die Abhängigkeit von der Gefühlslage zu den Ergebnissen ist Teil des Spiels. Damit besser umzugehen und diese Gefühle vom Privatleben zu trennen, lerne ich Saison für Saison besser zu handhaben. Die letzten Wochen waren emotional – positiv und aufwühlend. Ein großes Ziel meiner Wegrichtung wurde erreicht: Ich durfte wieder Weltcuprennen fahren – den Traum leben. Dennoch ist noch vieles offen.

Nach guten Resultaten ist man zufriedener als nach schlechten. Manchmal reicht das gute Gefühl jedoch nicht fürs Top-Resultat. Dies kann ich verkraften, wenn ich ehrlich gekämpft habe. Das macht mich dann zufrieden – nicht die Platzierung. Manchmal bin ich nach einem knappen Rennen zufrieden, etwa beim Weltcuprennen in Adelboden: Ich habe mein Skifahren gezeigt, es waren die äußeren Gegebenheiten, die den zweiten Lauf verhinderten (hohes Slalom-Niveau, hohe Startnummer).

Beim ähnlichen Rang in Wengen war ich unzufrieden, weil ich mehr hätte herausholen können; die Piste hielt, viele fielen raus. Doch da waren es meine Leistung, die nicht für den zweiten Lauf reichten. Mit Abstand ordne ich das professionell ein aber im ersten Moment bleibt Frustration. Außen wird oft gesagt: Du musst zufrieden sein – du bist dritt-schnellster Schweizer oder es hat ganz wenig gefehlt. Doch Zufriedenheit ist ein Gefühl das, während dem Fahren durch die eigene Leistung aufkommt dies können keine Fakten verändern. Ich würde sagen: der Rang bestätigt oder widerlegt das eigene Gefühl. Er dient also mehr der Überprüfung.

«Gehörst du nun wieder zu Swiss Ski?»

Nein, abgerechnet wird erst Ende Saison im April. Dabei gibt es klare Selektionskriterien, welche von Swissski festgelegt wurden. Vom System her, gleich wie ihr es vielleicht bei den Olympiaselektionen mitgekriegt habt. Nur spielt bei den Kaderselektion auch das Alter eine Rolle. Das heisst wenn man über 27 Jahre jung ist, wird die Luft dünner. Zu sagen ist auch, dass das letzte Wort immer von menschlicher Natur ist. Verbände legen die Selektionskriterien fest; es gibt eine Sitzung und dort wird entschieden. Sprechen sich Trainer für einen Athleten aus, kann dies viel verändern. Prominentes Beispiel die letzte Saison: Ramon Zenhäuser.

Für mich heisst das konkret ich muss Ende der Saison unter die Top 30 des Slalom-Weltcups sein. Stand heute – beim Schreiben dieses Newsletters – braucht man dafür 60 Weltcuppunkte. Es steht nur noch ein WC -Slalom an. Hier das Punktesystem (als Orientierung, welche Range erforderlich ist):

 

Auch hier ist das hohe Niveau vom Slalom zu sehen.

 

Beim Riesenslalom sprechen wir von 42 Punkte. Beim Super-G und der Abfahrt sind es um die 37 Punkte, wobei die Speedfahrer noch ein Event mehr vor sich haben.

Eine andere Möglichkeit – nach meinem Kenntnisstand bislang bei älteren Fahrerinnen und Fahrern noch selten genutzt – ist die Wiederaufnahme in den Kader über Europacup-Leistungen. Das Fenster ist jedoch auch dort klein: Nur die ersten drei der Schlusswertung der jeweiligen Disziplinenwertung erhalten für die nächste Saison einen Fixplatz im Weltcup. Ein Fixplatz bedeutet einen garantierten Startplatz in den Weltcup-Rennen der kommenden Saison, durch herausragende Leistungen in Kontinentalcups (Europacup, Nor-Am Cup usw.).

Hier befinde ich mich – zwei Rennen vor Schluss- in einer guten Lage, 89 Punkte hinter Platz 3. Also bleibt mir nun für die letzten Rennen, was ich am besten kann: All in! Und da habt ihr auch die Antwort auf: «Wieso taktierst du nicht und fährst auf Resultat?». Es ist auf diesem Niveau mit alle diese Voraussetzungen schlichtweg keine Option.

Also besteht trotz einer guten Saison und wirklich viele Ziele erreicht haben die Möglichkeit, dass ich als bester Schweizer im Europacup, nicht in den Kader wieder aufgenommen werde. Abgerechnet wird Ende Saison.