Saisonrückblick 2025/2026

Donnerstag, 23. April 2026

 

 

Saisonrückblick 2025/2026

Nach einem guten Sommertraining in Saas-Fee mit Sven Brasser und auf der Diavolezza war ich bereit. Im November startete ich in den hohen Norden, hungrig auf Rennen, auf Tempo, auf Adrenalin. Die ersten FIS-Rennen waren der Test und auch sehr wichtig, um früh in diesen Rennmodus zu kommen. Denn wir wissen es seit zehn Jahren: Im Training bin ich sehr schnell und auch zuverlässig. Nun muss dies auch in den Rennen her – und ich habe geliefert. Podest in Schweden, zwei Laufbestzeiten, das Gefühl: Ja, ich bin bereit! Trotzdem habe ich auch das Risiko gesucht. Einmal zu viel attackiert, kam der Einfädler. Aber genau das zeigt mir, dass ich auch bereit war, am Limit zu kämpfen. Ich war also im Rennmodus.

Dann Levi. Mein erster Europacup-Slalom der Saison. Der erste Lauf noch zu kontrolliert und sauber. Daher war ich nicht so gut platziert, wie ich mir das wünschte. Im zweiten konnte ich von den Erkenntnissen der bereits gefahrenen Rennen profitieren – und plötzlich war ich Fünfter. Der gemachte Plan ging auf. Das gab Selbstvertrauen, ich hatte das Gefühl zurück, das Feuer, das mich antreibt.

Die Reise führte weiter nach Italien. Und da war bereits der Podestplatz auf zweithöchster Stufe! Damit auch das Ticket für den Weltcup in Alta Badia. Nach fast zwei Jahren harter Arbeit, Rückschlägen und unzähligen Lehrstunden – nach denen ich nicht freiwillig gefragt hatte, durfte ich wieder dort starten, wo jeder Skifahrer sein Herz schlagen spürt: im Weltcup.

Alle diese Emotionen zurückzustecken, ist mir dann nicht so gut gelungen. Ich konnte meine Leistung nicht auf den Punkt bringen. Zudem startete ich mit der zweitletzten Nummer und so reichte es nicht für eine Quali für den zweiten Lauf.

Dann kam Madonna di Campiglio. Jedes Jahr ein unglaublich cooles Rennen und ich freute mich extrem auf diesen Start – ich konnte mich hier gut darauf einstellen und fuhr ein gutes Rennen. Leider klappte es auch hier nicht mit dem zweiten Lauf, aber für mich war es wichtig, dass ich wieder gutes Skifahren an den Tag legen konnte. Zudem ist dies der Ort, an dem sich vor drei Jahren alles veränderte. Es kam der Druck auf, von Seite der Trainer, dass ich liefern muss und sonst raus sei. Leider hat Swissski auch dieses Jahr in dieser Hinsicht geliefert.

Aus dem Nichts konnten sie mir nicht sagen, ob ich in Adelboden starten darf oder nicht. Der Grund, habe ich danach erfahren: ein anderer Athlet wollte den Startplatz für sich in Anspruch nehmen. Dies obwohl er klar schlechter war als ich in den ersten vier Europacup-Rennen. Es war immer abgemacht, dass der jeweils beste Schweizer aus dem Europacup im Weltcup starten darf. Nun änderten sie die Regeln genau in dem Moment, wo ich endlich wieder durchatmen konnte. Es erklärt sich von selbst, dass mich das alles nicht kalt ließ.

Ich erfuhr dann erst am Freitagmorgen (Sonntag war das Rennen) über die sozialen Medien, dass ich nun trotzdem den Startplatz für Adelboden-WC bekomme. Keiner vom Verband, kein Trainer hat mich selbst informiert.

Ich habe zum Glück ein gutes Team um mich herum geschaffen. So habe ich den Kontakt und Rat bei meinem Mental Coach Martin Plüss gesucht. Wir sprachen intensiv über die Situation, die mich wirklich beschäftigte: die Kommunikation und Behandlung durch Swissski. Das hatte ich gebraucht und danach war ich bereit für Adelboden.

Es war ein sehr guter erster Lauf. Ich hatte jedoch eine kleine Unsicherheit im Steilhang, die ich in drei Toren mitnahm. Dies kostete die 20/100 zur Top 30.

Ich ging danach für eine Nacht zu meinen Skikollegen Noel von Grünigen und konnte kurz etwas abschalten. Denn es folgten weitere Heimrennen. Zwei Europacups in Crans Montana – an dem Hang, wo nächsten Winter die Ski WM sein wird. Ich wurde auch hier guter Zweiter im ersten Rennen und stiess in die Top 3 der ECSL Wertung vor. Mit meinem Podest gab ich Swissski die Antwort und konnte als bester Schweizer weiterhin im Weltcup antreten.

Es folgten Rennen voller Emotionen: Wengen, Kitzbühel – meine zwei Lieblingsrennhänge.

Ich hatte zwar noch immer eine der letzten Startnummern, aber war in einer sehr guten Form, körperlich wie auch mental. Aber die Konkurrenz im Slalom ist unglaublich. Es verzeiht keinen Fehler. Nach dem Out in Kitzbühel war ich extrem enttäuscht. Nicht über meine Leistung, denn die war weiterhin sehr gut und ich war soweit zufrieden. Doch ich hatte wieder Druck von Swissski. Denn wenn keine WC-Punkte auf mein Konto kommen, werde ich mit einem schlechter platzierten EC-Fahrer ersetzt in Schladming. Es ist frustrierend, wie sie immer wieder an den Spielregeln drehen und dies nicht selten so, dass es für mich nicht nachvollziehbar ist. Ich war klar besser drauf als manch einer, der am Start stehen durfte. Enttäuscht und mit vielen Fragen im Kopf machte ich mich auf die Heimreise. Zwei Stunden nach Abfahrt bekam ich einen Anruf von Luca Aerni: „Ich habe mich entschieden, in Schladming nicht zu starten. Kehr um, dies ist dein Startplatz.“

Ein Trainer hat sich dann noch gemeldet, um dies zu bestätigen. So drehte ich um und fuhr wieder 4 Stunden zurück, ich war sehr dankbar für diese Entscheidung. Aber auch sehr verwirrt, wieso diese Entscheidungen nun so passieren müssen. Ich war zum Glück mental in guter Form, um solche Sachen auszublenden. Es musste mir egal sein, was im Verband und Politik vor sich ging. Ich war einfach da für meine Rennen.

Schladming, Gänsehaut, jedes Mal.

Ich fuhr sehr gute Abschnitte und war wieder an der Quali dran, doch kurz vor Ziel schied ich aus. Ich musste das Risiko eingehen, denn wieder mit sehr hoher Startnummer war es sehr schwierig. Daher bin ich stolz auf meine Herangehensweise bis zum Ausfall. Ein kurzer Abstecher in die Tenne mit Freunden liess ich mir dann nicht nehmen.

Nach ein paar Tagen intensiven Trainings zu Hause ging es für mich nach Spanien, um die nächsten beiden Europacup-Rennen zu bestreiten. Im ersten Rennen fuhr ich ein starkes Rennen und landete auf einem guten 6. Platz. Doch das Glück war mir im zweiten Rennen nicht hold. Ein unglücklicher Einfädler beendete meine Fahrt vorzeitig. Zu allem Überfluss kassierte ich dann auch noch eine gelbe Karte von der FIS und Rennleitung. Der Grund: Ich war nach dem Ausfall über die Ziellinie gerutscht, anstatt neben dem Ziel durchzufahren. Dabei war mir gar nicht bewusst, dass dies im Europacup verboten ist, obwohl es bei jedem Weltcup Pflicht ist. Nach einer kurzen Diskussion mit dem FIS-Chef war die Sache dann aber erledigt. Andere, die das selbe taten, hatten keine Karte bekommen. Die Begründung: Ich sei als Weltcupfahrer ein Vorbild für Jüngere. Was für eine Ironie, werde ich von der FIS als Weltcupfahrer gesehen und von Swissski nur geduldet. Dies zeigte sich bald wieder.

Der nächste EC in Berchtesgaden musste nach sieben Fahrern wegen zu starkem Nebel abgesagt werden. Da es keine möglichen Nachholtermine mehr gab, war nur noch das Finale in Schladming Ende März. Doch vorher ging es nach Kranjska Gora zum letzten WC-Slalom.

Ich durfte zwar wieder starten (noch immer, weil Luca Aerni auf seinen Platz verzichtete), doch durfte ich nicht mit dem Rest des Teams die Vorbereitung in Österreich mitmachen. Lediglich ein Tag durfte ich mit trainieren, da die Italiener an diesem Tag nicht mehr mit Swissski zusammen trainierten und somit Platz für mich war. Auch hier ließ ich das nicht an mich rankommen und machte mein Ding. Ich weiß, was es in Kranjska Gora braucht, um gute Resultate einfahren zu können. Ich war bereit, voller Vorfreude aufs Rennen. Die Bedingungen passten mir gut und ich hatte endlich eine bessere Startnummer durch die guten EC-Resultate. Immer noch mit Nr. 55 am Start gelang mir eine top Fahrt. Bei der letzten Zwischenzeit lag ich gut auf, die Nummer 54 fuhr mit dieser Zwischenzeit auf Platz 20.

Doch dann kam der Fehler, welcher mir eine Sekunde kostete und somit reichte es nur auf Platz 33. Im zweiten Durchgang rückte das Feld dann extrem nah zusammen. 6/100 Rückstand war nur ein 4er Platz und mit 1,5 Sek Rückstand war man am Ende des Klassements. Die Tatsache, dass es ein perfekter Tag für mich hätte sein können, schmerzte schon ziemlich.

Mir blieb somit nur noch das letzte EC-Rennen. Ich wusste, dass ich gewinnen musste und 100 Punkte einfahren musste. Die Chance auf einen Platz in den Top 3 der Gesamtwertung war noch da, jedoch ziemlich schwierig zu erreichen, denn ich war auf Patzer von den vorderen Athleten angewiesen. Zudem mussten drei Athleten quasi keine Punkte schreiben an diesem Tag. Das gab mir auch eine gewisse Lockerheit und ich war wieder sehr schnell unterwegs. Beim 5. letzten Tor fädelte ich jedoch ein. Ich war aber zufrieden mit meinem Approach und Leistung. Im Nachhinein schieden 5 der Top 7 bereits im ersten Lauf aus und somit waren die ersten 3 Platzierungen klar.

Am Ende der Saison weiß ich: es wäre sehr wohl möglich gewesen, diesen Winter zwei große Ziele von mir zu erreichen. Einerseits den Fix platz für nächsten Winter und andererseits Weltcup-Punkte nach fast drei Jahren Absenz.

Ich muss mich nun fragen: was fehlt noch, um wieder ganz vorne auf höchster Stufe mitzufahren.

Ich habe nun einen Sommer lang Zeit, dies herauszufinden und für nächsten Winter zu justieren und anzupassen. Alle, die mich auf diesem Weg begleitet, unterstützt und motiviert haben – das hier ist auch euer Winter. Eure Energie, eure Nachrichten, eure Präsenz am Pistenrand haben mich getragen. Es gab Momente der Enttäuschung, wie in Kitzbühel, und Unklarheiten mit Startplätzen, die mich forderten. Doch ich habe gelernt: Ich muss mich auf mich selbst verlassen, auf mein Skifahren, auf meinen Mut.

Ich spüre es in jeder Faser: Dieser Winter hat mich stärker gemacht, hungriger und gefährlicher. Der WM-Winter 2026/2027 kommt – und ich bin bereit! Die Reise geht weiter.