Es gibt keine Probleme, nur Lösungen
Donnerstag, 28. August 2025

Dieses Jahr ist für mich besonders – und es wird das auch bleiben. Simona und ich gaben uns im März das Jawort. Sie kennt meine Höhen und Tiefen seit Beginn meiner Karriere wie keine andere. Sie ist eine verlässliche Stütze, eine stille Kraft, die mich immer wieder motiviert. Es war schön, einen Tag nur für uns zu genießen – ganz bewusst, da wir Heirat und Feier vorab geheim gehalten hatten. Natürlich stand danach das Miteinander im Fokus und die Skirennen sind in weite Ferne gerückt. Ich habe es sehr genossen, wusste jedoch auch: Wenn ich weiter an meinem Skifahrertraum glaube, wird der Sommer intensiv und muss gut strukturiert werden, um alles zufriedenstellend unter einen Hut zu bekommen. Denn als Spitzensportler gilt: mach es richtig oder lass es lieber sein. Wer mich kennt, weiß, so bin ich bei allem, was ich mache. Meine Frau nennt mich einen Perfektionisten. Und ja, ich denke, dank dieser Eigenschaft habe ich es auch an die Weltspitze geschafft.
Also habe ich jeden Arbeitstag im Sommer um 4 Uhr morgens gestartet. Dann ging ich eine Stunde mit unseren beiden Hunden raus. Bis Mittag arbeitete ich in der RE-Surses als Allrounder, um neue Gedanken zu fassen und die Saison finanziell mitzugestalten. Am Nachmittag plante mein langjähriger Konditionstrainer Michi Bont abwechslungsreiche Einheiten – Ausdauer oder Krafttraining. Die Abende verbrachte ich in der Küche, wo ich Frühstück, Mittagessen und Abendessen für den nächsten Tag plante und zubereitete. Fernab von dem Druck und in einer ganz klaren Struktur hatte ich Zeit, meine vergangene Saisonleistung neutral zu reflektieren. Die Fragen: Was hat funktioniert? Was kann ich
optimieren? Sind zentral.
Beim Beantworten der Fragen wurde mir schnell klar, wo die Schraubstellen liegen: Wieso bin ich erst im Februar auf Touren gekommen? Was war vorher los? Was hat sich zum Februar hin verändert? Um eine andere Perspektive auf diese Fragen zu bekommen, habe ich mich auch mit meinen zwei vertrautesten Personen beraten: meine Frau und Michi.
Meine Frau machte mich darauf aufmerksam, dass sie das Gefühl hatte, ich haderte bis Januar mit meiner Situation und hatte noch nicht alles verdaut, was geschehen war. Sicherlich spielte dies eine Rolle, mein Weg war mit viel Ungewissheit und Neuem verbunden.
Das neue Material, das finanzielle Risiko sowie der Druck, endlich wieder bei einem Weltcuprennen dabei zu sein. Zudem das Scheitern mit dem Kader-Rauswurf. Danach musste viel organisiert werden dabei hat mich mein Team getragen, wofür ich sehr dankbar bin. Alles blieb in Bewegung; im Nachhinein betrachtet fehlte wohl die Pausentaste, um alles zu verarbeiten.
Solche Pausen habe ich dank eines neuen Partners diesen Sommer jede Woche bewusst eingeplant; das Floating im Salzkeller in Chur tut Körper und Geist gut. Ich nehme mir regelmäßige Pausen, um Erlebtes zu verarbeiten und kurz- sowie langfristige Ziele zu setzen.
Als ich mit Michi meine Überlegungen reflektiert habe, wussten wir beide: Es gibt keine Probleme, nur Lösungen. Und wir haben schnell erkannt- das Training muss so angepasst werden, dass die Topform bereits am Anfang der Saison da ist. „Um in Rennmodus zu kommen, gibt es nur eins: Du musst Rennen fahren.“ Also haben wir uns darauf geeinigt, dieses Jahr so früh wie möglich FIS-Rennen zu bestreiten. Zudem war mein Wunsch, mein Konditionstraining mehr nach draußen zu verschieben, denn durch die Arbeit bei der Sägerei war ich oft drinnen und ich brauche Zeit in der Natur, um mich wohlzufühlen. Mich wohlfühlen ist auch bei dem gestarteten Training auf dem Gletscher ein großes Thema. Spontan hat sich im Frühling eine ideale Lösung gefunden: Sven Brasser, der in Kindertagen einer meiner Konkurrenten war und seitdem neben der Piste ein guter Freund ist, begleitet mich jetzt am Waliser Gletscher. Er betreut mich und organisiert Trainingsanschluss bei Teams, diese Woche war ich mit den Weltcupfahrer des Teams USA dabei und dem französischem Europacup Team.
Denn ja, ich darf mit anderen Teams mittrainieren, das heisst ich darf ihre Infrastruktur mitbenutzen, ich kann mich mit anderen Athleten messen und austauschen, aber meine Trainingsleistungen und muss ich allein analysieren und einschätzen. Es tut somit gut einen Vertrauten am Berg zu haben. Zudem schätzen es die Teams, wenn ich beim Anschluss auch zwei helfende Hände mitbringe. «Dankä Sven, für dini grossi und au professioneli Hilf. Es isch nöd möglich in Wört usdruckä, was mir das bedütet!» Ihr seht, ich bleibe dran und gebe alles. Ich verändere mich und passe mich den Gegebenheiten an. Trotzdem halte ich an etwas fest: Es steckt in mir, es braucht wohl einfach noch ein wenig Zeit rauszukommen. Im Moment stehen noch einige Vertragsverhandlungen aus. Neue Sponsoren zu finden und die langjährigen zu halten, bleibt das Ziel. Dies sind natürlich wichtige Meilensteine zur Saison hin. Denn die Sponsoren gehören zum Sport wie die Slalomstangen – ohne geht es nicht.
Vielen Dank an alle, die an meiner Seite bleiben und meine Ziele weiterhin unterstützen. Ich gebe alles, um euch zu repräsentieren.