Alles anders als gewohnt
Mittwoch, 5. November 2024

Letzte Woche habe ich alle meine Skisachen, sowie meine Hunde und meine Partnerin ins Auto gepackt und 3400 km in den hohen Norden gefahren. Was für eine Reise, wir waren 44 Stunden im Auto, bis wir von den Polarlichtern am finnischen Himmel begrüsst wurden. Die Servicemänner hatten schon vorher immer mein Respekt, denn ich wusste das ihr Job nur mit viel Passion machbar ist. Nun, da ich selbst diese Aufgaben übernehme, weiss ich jedoch erst richtig, was dies alles bedeutet. Nahe bei Levi, sind wir nun im Haus von Freunden angekommen. Vielen Dank an dieser Stelle, Corina und Michi. Die Reise hat sich, was den Wohlfühlfaktor anbelangt, sehr gelohnt. Die Dämmerung den ganzen Tag, auch die hüglige Landschaft und alles das begleitet von der interessanten Tierwelt. Elche, Renntiere, Füchse und Rehe konnte ich bereits beobachten.
Ich kann alles so machen wie die letzten Jahre auch und doch ist alles anders. Ich mache am Abend meine Skier selbst, direkt am Äkäsjarvi und fahre am Morgen nach Levi zum Training. Den grössten Unterschied gibt es bei der Regeneration. Dieser hat sich zwar ein wenig durch die Skipräparation verkürzt, aber dadurch das meine Liebsten mitgekommen sind, ist es sehr qualitativ. Ich fühle mich sehr wohl, als wäre ich zuhause. Das Heimweh wurde, als es letztes Jahr nicht gut lief, zum Thema. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, meine kleine Familie bei mir zu haben. Zudem unterstütz mich meine Partnerin bei allem was an Arbeiten neben der Piste anstehen, was mir wieder mehr Regeneration bringt. Anders ist auch, dass ich mit anderen Teams trainiere. So kann ich mich mit verschiedenen Athleten messen. Gestern konnte ich mit den Kroaten trainieren, die nächsten Tagen werde ich mit dem deutschen Team trainieren. Den Austausch habe ich mit einem meiner besten Freunden Reto Schmidiger, welcher bereits die dritte Saison ohne Kaderstatus trainiert und immer wieder im Europacup zeigt, dass er durchaus mit den Besten mithalten kann.
Leider gab es kurz vor der Reise nach Finnland auch einen Dämpfer. Swissski hat entschieden, dass sie einen Athleten von ihnen die Möglichkeit geben, beim Weltcup Slalomauftakt in Levi am Start zu sein. Sodass es keine Qualifikation gab und es für mich keine Möglichkeit gab, mich zu positionieren. Das ist sehr schade und hat mich natürlich auch sehr genervt.
Levi ist einer meine Lieblings Hänge, hier hätte ich sicherlich auch mit einer hohen Startnummer eine gute Chance gehabt. Aber so ist es nun mal im Moment. Ich muss mich auf mich konzentrieren, und darf nicht Energie verlieren bei Entscheidungen, die über meinem Kopf geschehen. Das habe ich die letzten Jahre gelernt. Ich muss mich durch Leistungen bei Rennen zurückkämpfen, denn dann kann niemand etwas dagegen machen.
Meine erste Gelegenheit dazu habe ich somit am 23. und 24. November, bei den Europacuprennen in Levi. Deshalb bleibe ich bis dahin hier in Finnland und profitiere davon, dass ich dank den Weltcuprennen mindesten im Training mich mit den Besten der Welt messen kann.
So viel kann ich sagen: Ich bin auf dem richtigen Weg. Das neue Material funktioniert gut. Bei der Präparation meiner Ski kommt mir meine Präzision zugute. Ich bin gut drauf und freue mich auf die Saison, vieles ist gleich und doch ist dieses Jahr alles anders.