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Das Schweizer Slalomteam ist so stark wie seit Jahren nicht mehr. Mit dabei ist auch der junge Bündner Sandro Simonet, Schweizer Meister in der Kombination, der dieses Jahr im Weltcup den endgültigen Durchbruch schaffen möchte. 

Wenn wir auf die vergangene Saison zurückschauen, Sandro, dann hat diese für Dich eigentlich erst im März so richtig begonnen, mit dem hervorragenden 8. Rang im Weltcupslalom von Krajnska Gora…

Sandro Simonet: Das war in der Tat mein bisher wichtigstes Resultat in meiner noch jungen Karriere. Dieser Top-Ten-Platz hat mir gezeigt, dass der Abstand zu den besten Slalomfahrern der Gegenwart nicht mehr unüberwindlich gross ist. Die gute Leistung kam übrigens nicht aus heiterem Himmel, denn bereits zuvor zeigte ich im Weltcup zweimal sehr gute erste Läufe, um dann im zweiten Umgang kurz vor dem Ziel auszuscheiden. Wenn ich nur einmal davon durchgekommen wäre, hätte ich mein Ziel erreicht und würde nun wohl zu den besten 30 Fahrern gehören. Rückblickend mache ich mir aber keine Vorwürfe, sondern kann es als Pech abhaken. Im Slalom muss man ein erhebliches Risiko eingehen, sonst hat man als Fahrer mit einer hohen Startnummer keine Chancen.

Im Europacup fehlte jedoch der grosse Exploit, nachdem Du bereits im Februar 2017 Deinen ersten Europacupsieg herausgefahren hattest. Siehst Du das auch so?

Sandro Simonet: Die Europacupsaison verlief wirklich sehr enttäuschend. Ich wollte mir mit Spitzenresultaten meine FIS-Punktezahl so weit senken, dass ich im Weltcup mit tieferen Startnummern würde starten können. Dieses Ziel habe ich klar verfehlt, vielleicht war ich zu verkrampft. 

Dafür versuchtest Du dann im Frühling gleich in vier Ländern den Meistertitel zu holen…

Sandro Simonet: Das Hauptziel war wiederum, mich in der FIS-Rangliste zu verbessern. Während ich in Österreich im Slalom ausschied, fuhr ich in Deutschland auf den guten 4. Platz und gewann in Malbun sogar das Rennen. Das freut mich natürlich, auch wenn ich mich nicht Liechtensteiner Meister nennen darf. Dank der Ausländerklausel gewann ich dafür in Meiringen als Vierter die Bronzemedaille. Drei Tage zuvor bin ich in Davos Schweizer Meister in der Kombination geworden. Das waren meine ersten beiden Medaillen bei der Elite.

Und zur Belohnung wurdest Du innerhalb des B-Kaders in die Weltcupgruppe der Slalomfahrer aufgenommen. Was bringt Dir das in sportlicher Hinsicht?

Sandro Simonet: Man muss weit zurückblicken, bis man ein derart starkes und ausgeglichenes Schweizer Slalomteam findet, wie wir es jetzt haben. Da wird man natürlich in jedem Training stark gefordert, und ich kann auch profitieren, indem ich beobachte, wie die arrivierteren Fahrer sich zwischen den Stangen bewegen. Das Schneetraining absolvierten wir übrigens in Neuseeland, wo ich dann auch zwei Rennen bestritt.

Dabei erreichtest Du einen dritten und einen fünften Rang. Wie muss man das einstufen?

Sandro Simonet: Die Rennen des Australian New Zealand Cup sind mit unserem Europacup vergleichbar. Mit den Resultaten bin ich nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden, weil mir mit Blick auf die FIS-Rangliste nur ein Sieg etwas gebracht hätte. Die Schneeverhältnisse waren sehr schwierig, an der Grenze zur Irregularität. Es gab denn auch einige Schweizer Fahrer, die auf einen Start verzichtet hatten.

Auf der FIS-Webseite sieht man Dich als jungen Wilden mit langen Haaren. Hat es im Weltcupzirkus keinen Platz für einen Rock’n’Roller, wie man sie bei den Freestylern und den Snowboardern trifft?

Sandro Simonet: Ich liebe lange Haare und habe mich schweren Herzens davon getrennt – aus praktischen Gründen. Wenn man wie wir stark schwitzt und dann in der Kälte lang herumstehen muss, dann erhöhen lange Haare die Gefahr, sich zu erkälten.

Und hinkt der Vergleich mit den Snowboardern und Freestylern?

Sandro Simonet: Ich habe das Sportgymnasium in Davos besucht und dabei wirklich gute Kollegen unter den Snowboardern und Freestylern gewonnen. Eine Zeitlang bin ich sogar selbst Freestyle gefahren, habe aber schnell gemerkt, dass es mir nie an die Spitze reichen würde. Ich bewundere die Lockerheit, die sie an den Tag legen können und wäre froh, wenn das bei mir nicht nur hin und wieder, sondern konstant der Fall wäre. 

Der Vergleich würde vor allem dann hinken, wenn man davon ausgehen würde, dass vor und nach jedem Rennen eine grosse Party steigt. Die wirklich guten Snowboarder und Freestyler sind topseriös. Wenn man nicht das Privatleben seinem Sport unterordnet, hat man heute auch in diesen Sportarten keine Chancen mehr.

Fällt es Dir sehr schwer, im Privatleben Abstriche zu machen?

Sandro Thor2018Sandro Simonet: Seit kurzem habe ich einen kleinen Hund, der mich vom Trainingsstress ablenkt, und im Sommer bin ich mit meiner Freundin in eine eigene Wohnung in Savognin gezogen. Ich habe also, nicht zuletzt dank der Flexibilität meiner Freundin, allen Grund mit meinem Privatleben zufrieden zu sein und hoffe, dass sich das auf meine sportlichen Leistungen positiv auswirkt.

Du bist Rätoromane und damit im Spitzensport ein Exote. Hat das einen Einfluss auf Deinen Charakter und Deine sportlichen Leistungen?

Sandro Simonet: Die Rätoromanen sind ein Völklein, das zusammenhält und viel Steh- und Durchsetzungsvermögen beweist. Dario Cologna, den ich nicht persönlich kenne, ist das beste Beispiel dafür und ein gutes Vorbild für uns. Im Skizirkus sind wir momentan nur wenige Rätoromanen, Sandro Villeta und Vanesse Kasper. Ich selbst bin ja – er lacht – kein richtiger Rätoromane, sondern ein «Bilingue». Ich bin in Tiefencastel aufgewachsen, Rätoromanisch ist meine Vatersprache, Deutsch meine Muttersprache. So kann ich hoffen, dass ich von beiden Teilen die besten Eigenschaften übernommen habe.

Einen ersten Erfolg hast Du bereits erzielt und einen neuen Helmsponsor gefunden…

Sandro Simonet: Ja, das ist super. Ein Jahr lang musste ich ohne Helmsponsor fahren, das war enttäuschend für mich. Nun aber werde ich vom bekannten Onlinehändler brack.ch, der seit diesem Frühjahr Nachwuchspartner des Skiverbandes ist, auch als Einzelsportler unterstützt. Wenn dieser wichtige Sponsor an meine Möglichkeiten glaubt, so ist das für mich ein wichtiges Zeichen und stellt eine zusätzliche Motivation dar…

Wenden wir uns konkret der neuen Saison zu. Welche Ziele hast Du Dir für den kommenden Winter gesetzt?

Sandro Simonet: Im Slalom befinde ich mich im Moment in der FIS-Rangliste auf Position 42. Nun möchte ich unter die besten 30 vorstossen – durch Spitzenplätze im Europacup und regelmässige Punktegewinne im Weltcup. Im Riesenslalom bin ich als Nummer 118 unter meinen Fähigkeiten platziert. Das muss sich ändern, auch wenn es sich erst in den nächsten Wochen weisen wird, wieviel Platz für die anderen Disziplinen neben dem Slalom überhaupt noch bleibt. Das gilt speziell für die Speed-Disziplinen. Als Jugendlicher war ich zwar ein guter Abfahrer, aber jetzt fehlt die Zeit, um eine ganze Woche für ein Abfahrtsrennen und die vorangehenden Trainingsfahrten investieren zu können.

Und wenn Du von einer optimalen Saison träumst?

Sandro Simonet: Dann erreiche ich an den Weltmeisterschaften in Are einen Top-Ten-Platz. 

Ein hohes Ziel angesichts der Leistungsdichte im Slalom!

Sandro Simonet: Ein hohes Ziel angesichts der Leistungsdichte im Schweizer Slalomteam. Als 35. im letzten Weltcup bin ich hinter Daniel Yule (5), Ramon Zenhäusern (6), Luca Aerni (7), Loic Meillard (22) und Marc Rochat (28) «nur» die Nummer 6 im Team, praktisch gleichauf mit Reto Schmidiger. Wenn ich mich im Schweizer Team durchsetze, dann muss ich so gut fahren, dass ich auch an der WM selbst für die Top Ten gut genug bin.

Traust Du Dir einen solchen Exploit nach der Hälfte der Saisonvorbereitung zu?

Sandro Simonet: Die Saisonvorbereitung stimmt mich zuversichtlich - für mich persönlich, vor allem aber für das ganze Team. Daniel, Ramon und Luca ziehen uns als Lokomotiven mit und spüren gleichzeitig unseren Atem, was auch für sie ein zusätzlicher Ansporn sein dürfte. Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir als Team noch stärker auftreten werden als im letzten Jahr. Und natürlich will ich meinen Teil dazu beitragen – und mich in jedem Fall gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern. Die Basis möchte ich bereits mit einem guten Saisonstart in Levi legen, wo ich vor zwei Jahren meine ersten Weltcuppunkte erobert hatte. Ja, ich werde nach Are fahren…

Interview mit Andreas Schiendorfer

 

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